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BKA schätzt Schaden durch Cybercrime auf 100 Milliarden Euro

13 Nov

BKA schätzt Schaden durch Cybercrime auf 100 Milliarden Euro

WIESBADEN/DORTMUND Rund 87.000 Fälle von Cybercrime wurden im Jahr 2018 von der Polizei erfasst. Das ist rund ein Prozent mehr als im Jahr zuvor. Ein Anstieg von rund fünf Prozent (271.864 Fälle) war auch bei der Zahl der Straftaten zu verzeichnen, bei denen 2018 das Internet als Tatmittel genutzt wurde. Das geht aus dem am Montag (11.11.) veröffentlichten Lagebild „Cybercrime“ des Bundeskriminalamts (BKA) hervor.

Kriminelle bieten Software im Netz an

Die Vielfalt der digitalen Angriffsziele sorge dafür, dass auch das Gesamtaufkommen der festgestellten Schadsoftware immer weiter steigt, heißt es in einer Pressemitteilung des BKA. Cyberkriminelle müssen diese Schadsoftware nicht zwangsläufig selbst erstellen. „Auf Marktplätzen im Clearnet, Deepweb und im Darknet werden gegen Bezahlung eine Vielzahl illegaler Angebote gemacht, um etwa Angriffe auf Firmennetzwerke und Webseiten durchzuführen oder Viren programmieren zu lassen“, so das BKA. „Crime-as-a-Service“ nenne sich dieses Geschäftsmodell, bei dem neben Schadsoftware auch gestohlene Daten oder Anonymisierungsdienste verkauft würden.

Spezialisten für Angriffe auf Webseiten

Einer dieser Marktplätze war „Webstresser“, eine Plattform, die sich darauf spezialisiert hatte, im Auftrag ihrer Kunden Angriffe auf Webseiten durchzuführen, um Webpräsenzen, Server und Netzwerke so zu überlasten, dass sie nicht mehr erreichbar sind.

BKA an internationaler Aktion beteiligt

Mithilfe von „Webstresser“ hätten auch Laien diese Angriffe ausführen können. Im April 2018 wurde die Seite im Rahmen einer international koordinierten Maßnahme, an der auch das BKA beteiligt war, vom Netz genommen. Bis zu diesem Zeitpunkt war „Webstresser“ für über vier Millionen Attacken weltweit eingesetzt worden. „Der Administrator der Seite wurde festgenommen und Ermittlungen gegen 250 Nutzer der Plattform aufgenommen“, teilt das BKA mit.

Hohes Dunkelfeld im Bereich Cybercrime

Cybercrime habe 2018 einen Schaden in Höhe von über 60 Millionen Euro verursacht. Die Zahl bilde jedoch nur ab, was der Polizei bekannt geworden sei. „Tatsächlich dürfte sich der Schaden für Unternehmen auf über 100 Milliarden Euro belaufen, wie Schätzungen aus der Wirtschaft im Betrachtungszeitraum 2018/2019 zeigen“, so die Pressemitteilung. Die enorme Differenz erkläre sich auch durch das hohe Dunkelfeld in diesem Bereich.

Ausspähen technologischen Wissens von Bedeutung für Kriminelle

Insbesondere Unternehmen würden Fälle von Cybercrime und damit verbundene materielle Schäden nach wie vor vergleichsweise selten anzeigen. „Die Furcht vor einem Vertrauensverlust bei Partnern und Kunden steht dabei dem Interesse, die Tat strafrechtlich verfolgen zu lassen, entgegen. Dabei sind Firmen ein bevorzugtes Angriffsziel für Hacker, wobei Kriminelle nicht nur daran interessiert sind, an das Geld der Unternehmen zu gelangen. Auch das Ausspähen technologischen Wissens ist für sie von Bedeutung“, heißt es in der Mitteilung.

Den Tätern einen Schritt voraus seien

Dieser Entwicklung wolle man seitens des BKA verstärkt Paroli bieten, kündigte daher BKA-Vize Peter Henzler an: „Künftig wollen wir IT-Spezialisten noch stärker in die kriminalpolizeiliche Arbeit einbinden. Dafür werden im Bundeskriminalamt neue Stellen geschaffen, die wir im Zuge des Aufbaus der Abteilung Cybercrime zeitnah besetzen werden. Unser Ziel ist klar: Wir wollen mit den Tätern nicht nur auf Augenhöhe sein. Wir müssen ihnen voraus sein, um sie für ihre Taten zur Rechenschaft zu ziehen.“