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Sicherheitsdienst nach Brand in Flüchtlingsheim pleite

12 Feb

Sicherheitsdienst nach Brand in Flüchtlingsheim pleite

Köln. Jeder, der in der privaten Sicherheitsbranche tätig sein will, muss einen einwandfreien Leumund vorweisen können. Doch selbst das blitzsaubere Führungszeugnis eines Bewerbers garantiert einem Arbeitgeber nicht, dass in seinem künftigen Angestellten nicht doch kriminelle Energie schlummert. Und das kann fatale Folgen für ihn haben.

Diese leidvolle Erfahrung musste ein Sicherheitsdienstleister machen, der sich für die Bewachung einer Flüchtlingsunterkunft beworben und anschließend auch den Zuschlag erhalten hatte. Der großen Freude über den erhaltenen Auftrag folgte jedoch erst die Ernüchterung, dann der Gang durchs Tal der Tränen. Doch was war passiert?

Feuer breitete sich rasch aus

Kurz nachdem der Sicherheitsdienstleister die Bewachung übernommen hatte, zündete einer seiner Mitarbeiter eine Matratze in einem Lagerraum der Flüchtlingsunterkunft an. Da in diesem Raum vor allem Hygieneartikel und Matratzen lagerten, breitete sich das Feuer rasch aus und innerhalb weniger Minuten brannte das Gebäude lichterloh. Nur dank der Aufmerksamkeit eines anderen Wachmannes konnte die Katastrophe verhindert werden, wurden keine Menschen verletzt. Das Gebäude hingegen war nicht mehr zu retten Es entstand ein Sachschaden von 1, 5 Millionen Euro.

Menschen kamen zum Glück nicht zu Schaden

Dem ersten Schock über das Geschehen, folgte beim Unternehmer zwar die Erleichterung, dass keine Menschen zu Schaden gekommen waren. Allerdings: das böse Erwachen folgte auf den Fuß. Zwar haftet der Wachmann für sein Vergehen auch selbst. Regelmäßig wird jedoch das Sicherheitsunternehmen haftbar gehalten. „Laut Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs haftet ein Bewachungsunternehmen auch für vorsätzlich begangene Straftaten seines Mitarbeiters, wenn diese im Zusammenhang mit der Erfüllung des Auftrags begangen werden“, liefert Bernd Schäfer die Erklärung

Zwar könne der Unternehmer den betroffenen Mitarbeiter in Regress nehmen, doch bei einem Schaden im siebenstelligen Bereich gingen da die Aussichten auf Erfolg gegen Null.

Unternehmer glaubte, er habe Versicherungsschutz 

Zu diesem Zeitpunkt war der Unternehmer zwar aufgebracht und schwer verärgert, sah sich jedoch nicht in seiner Existenz bedroht. Er glaubte, seine Betriebshaftpflicht würde einspringen. Doch da war er im Irrtum, wie sich bald herauskristallisierte. „Voraussetzung für Versicherungsschutz ist, dass im Vertrag strafbare Handlungen als mitversichert gelten“, betont Bernd Schäfer. Diese Regelung sei meist jedoch nicht enthalten, sondern nur grob fahrlässiges Verhalten sei mitversichert.

Was diese Klausel betraf, fühlte sich der Unternehmer immer noch auf der sicheren Seite, da sich ein entsprechender Passus in seinem Vertrag fand. Auch die Deckungssumme von 3 Millionen Euro bei Sachschäden passte.

Plötzlich und unverschuldet in die Insolvenz

Leider lauerte in den Wirrungen des Kleingedruckten dann aber die böse Überraschung, erläutert Bernd Schäfer: „Da es sich in diesem Fall um einen Bewachungsauftrag handelte, fand die Beschränkung ‚Beschädigung / Vernichtung bewachter Sachen‘ Anwendung. Diese Position ist vielen Verträgen jedoch nur bis maximal 250.000 Euro mitversichert.“

So auch bei dem betroffenen Sicherheitsdienstleister. Das bedeutete für diesen wiederum, dass er den Differenzbetrag zur festgestellten Schadenhöhe aus eigener Tasche hätte bestreiten müssen. Das war ihm aufgrund der geringen Größe seines Unternehmens aber nicht möglich und somit rutschte er plötzlich und völlig unverschuldet in die Insolvenz.

Dies ist der zweite Fall aus unserer Serie „Skurrile Versicherungsfälle aus der Sicherheitsbranche“. Diese Beispiele sollen Unternehmen helfen, mögliche Fallstricke zu vermeiden und Lücken in ihrem eigenen Versicherungsschutz zu erkennen. Selbstverständlich verfremden wir alle Beispiele, sodass Rückschlüsse auf die Originalfälle nicht möglich sind. Die Vorlagen für diese Geschichten liefert uns Bernd Schäfer (Foto) vom BVMS-Kooperationspartner Atlas Versicherungsmakler für Sicherheits- und Wertdienste GmbH.