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Wasserdampf zerstört KiTa-Einrichtung

8 Jan

Wasserdampf zerstört KiTa-Einrichtung

KÖLN/DORTMUND. Dieser Angestellte eines privaten Sicherheitsdienstleisters wird wohl kaum die Wahl zum Mitarbeiter des Monats gewinnen. Durch seine Schusseligkeit entstand in einer Kita nämlich ein Sachschaden in Höhe von 50.000 Euro.

Der Fall: Ein privater Sicherheitsdienstleister kontrolliert während der Ferien und an Feiertagen mehrere Kindertagesstätten in seiner näheren Umgebung. Zu den Aufgaben dabei gehört die klassische Revierkontrolle, aber auch die Funktion der Wasserversorgung in den Gebäuden muss sichergestellt werden.

Aus hygienischen Gründen heißes Wasser

Hierfür muss ein Mitarbeiter alle 72 Stunden sämtliche Wasserkräne für mindestens fünf Minuten laufenlassen. Dieses Durchspülen der Leitungen hat aus hygienischen Gründen – so verlangt es der Auftraggeber im Dienstleistungsvertrag – mit heißem Wasser zu erfolgen.

Während eines Revierdienstes vergaß der zuständige Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes allerdings, eine Dusche wieder abzudrehen. Da es auf das Ende der Ferien zuging, handelte es sich unglücklicherweise um die letzte Kontrolle der Periode – und so stellte der Kita-Betreiber erst drei Tage später fest, dass das Wasser vom Wachmann nicht abgedreht worden war.

Wände hatten sich mit Feuchtigkeit vollgesogen

Doch wer denkt, der Kita-Betreiber hätte nun nur mit einer satten Nachforderung vom Wasserversorger zu rechnen, hat sich geschnitten. Da vom Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes – wie verlangt – heißes Wasser angestellt worden war, breitete sich Wasserdampf in den angrenzenden Räumen aus. Das wiederum hatte zur Folge, dass die darin befindlichen Möbel die Konsistenz in Kaffee eingetauchter Kekse angenommen und sich die Wände wie Schwämme mit Feuchtigkeit vollgesogen hatten. Eine Verkettung von Umständen mit weitreichender, vor allem finanzieller Auswirkung. Denn der Schaden belief sich letztlich für Trockenarbeiten und dem Austausch der Möbel auf summa summarum 50.000 Euro.

Diese Forderung landete nun bei dem Sicherheitsdienstleister, er wurde aufgefordert, für den entstandenen Schaden aufzukommen. „Auch wenn der eingesetzte Mitarbeiter ordnungsgemäß eingewiesen und entsprechend geschult war, handelt es sich aus rechtlicher Sicht um ein sogenanntes Augenblicksversagen“, erklärt Bernd Schäfer vom BVMS-Kooperationspartner, ATLAS Versicherungsmakler für Sicherheits- und Wertdienste. „Dem Mitarbeiter war das korrekte Vorgehen bewusst, jedoch hat er in dieser Situation fehlerhaft gehandelt und vergessen das Wasser auszustellen. Damit haftet das Unternehmen für die schuldhafte Schadenherbeiführung durch seinen Mitarbeiter.“

Kita-Betreiber hat Anspruch auf Erstattung vom Neuwert der beschädigten Möbel

Es handele sich in diesem Fall um einen Sachschaden, erläutert Schäfer weiter. Für derart gelagerte Schadenfälle sieht die Bewachungshaftpflichtversicherung der Rahmenvereinbarung zwischen ATLAS und dem BVMS eine Versicherungssumme von 5 Millionen Euro vor.

Allerdings musste in diesem Fall die Betriebshaftpflicht nicht unmittelbar einspringen, wie Schäfer betont. „Zur Vereinfachung der Angelegenheit hat der Sachversicherer der KiTa den Schadenfall zunächst im Rahmen der Leitungswasserversicherung reguliert.“

Da Wasserdampf dem Leitungswasser gleichzusetzen sei und es sich somit um einen bestimmungswidrigen Austritt von Leitungswasser handele, war die Regulierung auf diesem Weg einfacher. „Ein wesentlicher Vorteil für den Anspruchsteller war, dass er aus seiner Sachversicherung einen Anspruch auf den Neuwert der beschädigten Möbel hatte.“ Zudem würde auch für eine Ersatzleistung kein Verschulden geprüft, sondern lediglich, ob ein Versicherungsfall eingetreten sei. „Entsprechend hat der Sachversicherer nach Einreichung der Belege dem Kita-Betreiber das Geld erstattet.“

Regressansprüche gegen die Betriebshaftpflicht des Sicherheitsdienstleisters

Damit war der Fall für den Kita-Betreiber erledigt. Nicht jedoch für dessen Sachversicherer. Der stellte nun Regressansprüche gegen die Betriebshaftpflicht des Sicherheitsdienstleisters, da er den Schaden in voller Höhe übernommen, also 50.000 Euro erstattet hatte. „Unter Berücksichtigung des Zeitwertes wurden vom Betriebshaftpflichtversicherer insgesamt 15.000 Euro durch einen Gutachter anerkannt und an die Sachversicherung angewiesen“, erklärt Schäfer abschließend, den nicht ganz simplen Vorgang.

Ab sofort werden wir in lockerer Reihenfolge ungewöhnliche, aber reale und vor allem lehrreiche Versicherungsfälle aus der Welt der Sicherheitsbranche vorstellen. Sie sollen Unternehmen dabei helfen, mögliche Fallstricke zu vermeiden und Lücken in ihrem eigenen Versicherungsschutz zu erkennen. Selbstverständlich verfremden wir alle Beispiele, sodass Rückschlüsse auf die Originalfälle nicht möglich sind. Die Vorlagen für diese Geschichten liefert uns Bernd Schäfer (Foto) vom BVMS-Kooperationspartner Atlas Versicherungsmakler für Sicherheits- und Wertdienste GmbH.