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DIN 77200-1: Augen auf bei der Wahl des Zertifizierers

18 Mai

DIN 77200-1: Augen auf bei der Wahl des Zertifizierers

Dortmund. Ein Instrument im Ringen um mehr Qualität in der privaten Sicherheitsbranche ist die DIN 77200-1. Immer mehr Auftraggeber und Vergabestellen fordern bei ihren Ausschreibungen von privaten Sicherheitsdienstleistern eine Zertifizierung nach dieser Norm. Diese sollen so einen Nachweis über ihre Leistungsfähigkeit und die Qualität ihres Services erbringen. Zudem soll die Norm zur Transparenz sowie der Vergleichbarkeit der angebotenen Leistungen dienen.

Augen auf bei der Wahl des Zertifizierers

Logisch, dass aufmerksame Unternehmer – um wettbewerbsfähig zu bleiben oder sich von den Mitbewerbern abzuheben – ein Zertifikat erwerben wollen. Doch bei der Auswahl des Zertifizierers gilt es mindestens genauso wachsam zu sein. Ansonsten hat man schnell mal ein paar tausend Euro und viel Zeit in ein Zertifikat investiert, dass sich am Ende als wertlos herausstellen könnte.

Anbieter hoffen auf lukratives Geschäft

Sucht man im Internet nach Zertifizierungsstellen für die DIN 77200-1 wird man schnell fündig. Zahllose Dienstleister bieten sie an, diese Zertifizierung; bewerben ihre Angebote mit markigen Sprüchen und hoffen so auf ein lukratives Geschäft. Doch nur die wenigsten Stellen verfügen überhaupt über die Berechtigung, diese Zertifizierung durchzuführen.

Denn im dritten Teil der Normenreihe, der DIN 77200-3:2017-11 findet man unter „4.2. Allgemeine Anforderungen“ folgendes: „Eine Zertifizierungsstelle (3.10.) im Sinne dieser Norm muss die Einhaltung des hier beschriebenen Zertifizierungsprogramm (3.9.) anhand einer Akkreditierung nach DIN EN ISO/IEC 17065 nachweisen.“ Frei übersetzt heißt das nichts anderes als, dass sich auch die Zertifizierer quasi zertifizieren lassen müssen, um Zertifikate nach DIN 77200-1 ausstellen zu dürfen.

Akkreditierung nur bei der DAkkS möglich

Diese Akkreditierung ist allerdings nur bei der DAkkS (Deutsche Akkreditierungsstelle) in Berlin möglich. Auf Anfrage bestätigt die DAkkS, dass derzeit (Stand 18.5.2021) nur zwei Dienstleister „über eine Akkreditierung zur Zertifizierung nach DIN 77200 verfügen“.

Doch was bedeutet das für einen Unternehmer, der sich bei einem nicht bei der DAkkS akkreditierten Dienstleister hat zertifizieren lassen und dann an Ausschreibungen teilnimmt und sie sogar gewinnt? Kann ihm der Auftrag wieder entzogen werden und handelt es sich gar um Betrug? Eine eindeutige rechtliche Einordnung müssten im Falle eines Falles wohl die Gerichte entscheiden.

DAkks unterstreicht die Akkreditierungspflicht

So verweist die zuständige Projektmanagerin für die DIN 77200-Reihe beim Deutschen Institut für Normung (DIN), Katharina Lachmann darauf, im Kontext dieses Sachverhaltes auf entsprechende Fachanwälte. Eine Nachfrage bei der DAkkS ergab, dass eine Akkreditierungspflicht für 77200-1-Zertifizierer bestehe und man in einem Fall wie oben beschrieben, gute Chancen habe, dass dem Konkurrenten der Auftrag wieder entzogen werde, sollte man gegen den Zuschlag vorgehen.

Pauschal lässt sich das aber wohl nicht sagen, betont Ausschreibungsprofi Stephan Leukert von der zur Mühlschen GmbH: „Wenn die Vergabestelle eine gültige Zertifizierung verlangt und ein Bieter ohne eine solche den Zuschlag erhält, wäre dies vermutlich tatsächlich angreifbar. Man muss hier aber auch auf die Details achten, insbesondere welches Ausschreibungsverfahren angewandt wird.“

Bei zweifelhaften Anbieter Meldung an die DAkkS

Zwar sehe er in einem einstufigen, also z.B. dem offenen Verfahren, tatsächlich eine Chance eine Zuschlagserteilung wegen eines „falschen“ Zertifikats anzugreifen. Aufgrund der Rahmenbedingungen sei dies bei einem zweistufigen Verfahren, also z.B. einer beschränkten Ausschreibung mit vorgeschaltetem Teilnahmewettbewerb, hingegen ausgeschlossen.

An dieser Stelle stellt sich die Frage, warum Dienstleister nach DIN 77200 zertifizieren (können), obwohl sie nicht von DAkkS akkreditiert worden sind und ob es diesbezüglich keine gesetzliche Regelung, respektive entsprechende Kontrollinstanzen gebe? Katharina Lachmann von der DIN betont, dass die DAkkS zwar versuche dies nachzuprüfen, nach ihrem Kenntnisstand habe sie dafür aber nicht immer die nötigen Ressourcen.

Akkreditierungsstelle beobachtet Wildwuchs bei Dienstleistern

Das bestätigt auch die DAkkS: „Wir beobachten schon länger einen immensen Wildwuchs bei den Dienstleistern, die Zertifikate nach 77200-1 anbieten. Inzwischen sind wir aber dabei die Unternehmen, die wir entdecken, abzumahnen.“ Dass diese aber bei weitem nicht alle sind, darüber ist man sich auch bei der Akkreditierungsstelle bewusst. Daher bittet die DAkkS darum, Hinweise darauf zu geben, falls jemand auf einen Anbieter stoße, der ohne Akkreditierung Zertifikate ausstellt (s.u.).

Doch selbst wenn derartige Anbieter von der DAkkS abgemahnt werden, bedeute das nicht, dass diese automatisch auch vom Markt verschwinden. „Wir sind dazu verpflichtet, diesen Dienstleistern auch im Nachhinein noch die Möglichkeit zu geben, einen Akkreditierungs-Antrag zu stellen“, heißt es dazu von der DAkkS.

Unter Beschwerden@dakks.de können Sie nicht akkreditierte Zertifizierer melden.