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Fehlende Zahlungsmoral von Kunden sorgt für Existenzängste bei Sicherheitsdiensten

24 Apr

Fehlende Zahlungsmoral von Kunden sorgt für Existenzängste bei Sicherheitsdiensten

NÜRNBERG. Lars Müller, Leiter der Regionalgruppe SÜD im BVMS und Inhaber vom Sicherheitsdienst Nürnberg (SDN) kämpft derzeit an verschiedenen Fronten. Will heißen, er ist nicht nur damit beschäftigt, sein eigenes Unternehmen am Laufen zu halten, sondern arbeitet auch in verschiedenen Krisenstäben anderer Unternehmen mit.

Unterschiedliche Herangehensweise an die Probleme

Die unterschiedliche Herangehensweise an die Probleme, die durch die Corona-Krise entstanden sind, sei „spannend“ zu beobachten. So würden einige Unternehmen komplexe Sicherheitsstrategien entwickeln, während andere getreu dem Motto „jeder ist für sich selbst verantwortlich“ verfahren würden.

Sein aktuell breites Betätigungsfeld erlaubt Lars Müller eine gute Einschätzung der Gesamtsituation im privaten Sicherheitsgewerbe, vor allem auch für die KMU. Festzustellen sei eine außergewöhnlich „hohe Krankenstands-Quote beim Sicherheitspersonal“ durch die Corona-Epidemie, so Müller. Das führt zu Personalengpässen, die kaum zu kompensieren seien.

Neueinstellungen sind keine gute Lösung

Neueinstellungen seien seiner Ansicht nach keine gute Lösung, da niemand ausreichende Folgeaufträge garantieren kann. „Als seriöser Unternehmer sollte man aber nur jemanden einstellen, wenn man ihn auch dauerhaft beschäftigen will“, betont Müller. Und selbst wenn man seine Belegschaft aufstocken wolle, wäre gar nicht genügend qualifiziertes Personal vorhanden, da die IHK aktuell keine Prüfungen durchführen.

Das wiederum hat Auswirkungen auf die Qualität der Dienstleistungen, so Müller: „Wegen Personalmangel stellen unseriöse Unternehmer vermehrt ‚Ordner‘ und ‚Servicekräfte‘ ohne Qualifikation ein“. Das wiederum stößt dem Meister für Schutz und Sicherheit sauer auf. Denn seiner Meinung nach gäbe es in vielen Fällen eine relative einfache Lösung für dieses – teils hausgemachte – Problem: „Einige große Unternehmen schicken ihre Sicherheitskräfte, die normalerweise auf Flughäfen oder bei Messen tätig sind, lieber in die Kurzarbeit als sie einen Supermarkt bewachen zu lassen. Wäre dies nicht der Fall, würden weniger unqualifizierte Kräfte diese Tätigkeit übernehmen.“

Seitenhieb in Richtung der Branche

Daher kann er sich auch einen Seitenhieb in Richtung der Branche insgesamt nicht verkneifen. Der jüngsten Entscheidung der Bundesregierung der privaten Sicherheitsbranche den Status „Systemrelevant“ zuzugestehen, steht er skeptisch gegenüber. Auf der einen Seite sei er zutiefst überzeugt davon, dass dies absolut nötig sei, auf der anderen hält er die Branche aktuell noch nicht reif dafür: „Ich finde, wir hätten uns erst das Recht dieses Prädikat zu tragen erarbeiten müssen, indem wir die schwarzen Schafe aussortieren,“ so Müller.

Ihm sei aber bewusst, dass zurzeit eben viele Sicherheitskräfte für Zugangskontrollen benötigt werden. Dennoch sollte man möglichst auf Ordner verzichten. „Wenn sich dies aber nicht völlig vermeiden lässt, sollte solches Personal nur gemeinsam mit qualifizierten Sicherheitskräften eingesetzt werden.“

Zahlreiche Unternehmen haben Liquiditätsprobleme

Grundvoraussetzung für derartige Gedankenspiele von Unternehmern ist jedoch, dass sie überhaupt noch eine wirtschaftliche Grundlage haben, ihr Gewerbe auszuüben. Und da liegt bei vielen der berühmte Hase im Pfeffer, weiß Lars Müller. „Zahlreiche Unternehmen leiden inzwischen unter echten Liquiditätsproblemen durch die Krise.“

Denn genauso rasant wie sich die Krise entwickelte, so rapide ging es offenbar mit der Zahlungsmoral der Kunden bergab. Als Grund für die Zahlungsverweigerungen muss stets die Corona-Krise herhalten. Daher fordert Müller auch, dass seitens der Politik der Druck auf zahlungsunwillige Kunde erhöht wird: „Schließlich wurden die in Rechnung gestellten Dienstleistungen vor der Krise erbracht und müssen somit auch bezahlt werden.“

Lob für das Krisenmanagement der Bundesregierung

Das ist aus Müllers Sicht allerdings einer der wenigen Kritikpunkte am Krisenmanagement der Bundesregierung im Bereich der Wirtschaft: „Vorerst halte ich die aktuellen Maßnahmen wie Soforthilfen, Stundung von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen oder staatliche Bürgschaften über Kredite für ausreichend“, betont er.

Ausnahmen bildeten Firmen, die fast ausschließlich im Bereich Eventschutz tätig sind. Die sollten – ebenso wie die gesamte Eventbranche –  weitere Zuwendungen erhalten. „Hier bricht ansonsten ein kompletter Wirtschaftszweig weg, der auch in nicht unerheblichen Umfang die Sicherheitsbranche berührt.“

Zufriedenheit aber nur eine Momentaufnahme

Allerdings sei seine Zufriedenheit auch nicht mehr als eine Momentaufnahme. Vielmehr müsse man erste einmal abwarten, wie lange die Schutzmaßnahmen bestehen bleiben. „Umso länger der Status quo erhalten bleibt, umso höher die Wahrscheinlichkeit, dass Nachbesserungen her müssen.“