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„Ob es zu mehr Aufträgen kommt, ist ungewiss“

21 Apr

„Ob es zu mehr Aufträgen kommt, ist ungewiss“

DORTMUND. Seit gestern gelten die ersten Lockerungen der Bundesregierung in der Corona-Krise. Geschäfte bis zu 800 Quadratmetern, sowie Kfz- und Fahrradhändler, aber auch Möbelhäuser dürfen unter Auflagen wieder öffnen. Will heißen, es gilt für die Betreiber der Geschäfte die Besucherströme zu steuern und dafür zu sorgen, dass der Sicherheitsabstand zwischen Personen von mindestens 1,5 Meter eingehalten wird.

Hygienevorschriften und Spuckschutz

Außerdem müssen weitere Hygienevorschriften wie Spuckschutz im Kassenbereich oder die Desinfektion von Einkaufswagen beachtet werden. Wie sich schon bei Discountern und Supermärkten gezeigt hat, muss die Umsetzung der Auflagen aber gesteuert und überwacht werden. Das könnte zu einer Explosion an Anfragen für die private Sicherheitsbranche führen. Doch die pfeift bereits jetzt personell auf dem letzten Loch. Im Interview gibt BVMS-Vorstandsmitglied, Sascha Lipka, eine Einschätzung wie er glaubt, dass sich die Situation entwickeln wird, welche Optionen die Branche hat, die bevorstehenden Anfragen zu bewältigen und was er von einer Zusammenarbeit mit dem Gesetzgeber erwartet.

BVMS: Aller Voraussicht nach wird es zu einer exponentiellen Steigerung der Anfragen an private Sicherheitsunternehmen durch die Lockerungen kommen. Ist die Branche für einen derartigen Ansturm gerüstet?

Sascha Lipka: Die aktuelle Situation ist aus meiner Sicht nicht eindeutig. Dass es in der gesamten Branche zu einer nennenswerten Steigerung an Anfragen kommt, ist unwahrscheinlich. In einigen Bereichen werden Unternehmen das Thema Kurzarbeit berücksichtigen müssen. Ich denke da in erster Linie an Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen an Flughäfen, im ÖPNV oder auch im Geld und Wertbereich. Viele Sicherheitsunternehmen arbeiten für Industrieunternehmen im Werkschutz. Sie sind somit auch ein Teil der Lieferkette und haben daher nicht zwangsläufig mehr Arbeit.

Ebenso ist festzustellen, dass aktuell auch die klassischen Empfangsdienste nur deutlich reduziert arbeiten können. Die Öffnungszeiten haben sich geändert oder es liegt sogar eine Schließung vor. Auch wenn wir in den letzten Wochen sicherlich eine Steigerung des Personals in Lebensmittelgeschäften sehen, handelt es sich nur um ein Strohfeuer. Nach Ostern haben bereits viele der Geschäfte in NRW freiwillig wieder Abstand vom Sicherheitsdienst genommen und vertrauen mehr auf die Vernunft der Bürger.

BVMS: Ein großes Problem stellt fehlendes Personal dar. Sind Sie der Meinung, dass die Lockerungen der Zugangsbeschränkungen zu diesem Tätigkeitsfeld – wie sie bereits diskutiert wurden – nun unumgänglich werden könnten?

Sascha Lipka: Fehlendes Personal ist nicht erst seit „Corona“ ein Thema. Der Arbeitsmarkt hat sich in den letzten Jahren extrem verändert. Die Arbeitslosenquoten sind Monat für Monat gesunken. Ich bin absolut gegen eine Lockerung der Qualifikationen. Ich möchte meinen Kunden nicht irgendeine Person als Sicherheitsmitarbeiter präsentieren. Vor allem nicht, wenn die Person über keinerlei Qualifikation verfügt. Unsere Branche kämpft seit Jahrzehnten gegen ein negatives Image. Ich würde es begrüßen, dass Professionalität und die Einhaltung von Gesetzen und Auflagen dazu führen, dass Sicherheitsdienste ordentlich bezahlt werden – woraus auch eine bessere Vergütung für alle Beschäftigten resultieren würde. Das würde der Branche insgesamt sehr gut tun.

BVMS: Was kann die Branche selbst tun, um dem möglichen Ansturm standzuhalten?

Sascha Lipka: Der BVMS ist hier aus meiner Sicht sehr gut aufgestellt. Zur Unterstützung bei Aufträgen kann man per E-Mail an den Verband herantreten. Im Rahmen einer Rundmail an alle Mitglieder können wir uns gegenseitig helfen, Aufträge erfolgreich zu erledigen. Diese Vorgehensweise unterstütze ich persönlich sehr.

BVMS: Welche Unterstützung erwarten Sie bei der Lösung der aktuellen Probleme vom Gesetzgeber?

Sascha Lipka: Grundsätzlich würde ich mich über einen offenen Dialog freuen. Gemeinsam mit der Bundesregierung müssen wir an einen Tisch. Erst wenn beide Seiten ihre Themen angesprochen haben, kann man an Lösungen für die gesamte Branche arbeiten.